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Landwirtschaft 2011-2020 - Teurer Blick nach vorn PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Redaktion   
Freitag, den 17. Juni 2011 um 18:50 Uhr
OECD und FAO: Fleisch, Fisch, Agrarprodukte bleiben teuer oder werden es bis zu 30 Prozent

Berlin/Paris (Redaktion/18.6.2011) Schon längst warnen internationale Organisationen vor den unberechenbaren Folgen steigender Nahrungsmittelpreise.


So jetzt auch wieder in dem "Landwirtschaftsausblick 2011 bis 2020", den OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und FAO, die UN-Nahrungsmittelorganisation, am Freitag in Paris vorgestellt haben.

Höhere Lebensmittelpreise und starke Schwankungen auf den Rohstoffmärkten werden uns auch in den kommenden Jahren begleiten. Schuld daran sind eine gestiegene Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln sowie Biokraftstoffen und höhere Erzeugerkosten. Zu diesem Schluss kommt der gemeinsame „Landwirtschaftsausblick 2011-2020“ der OECD und der Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), der gestern in Paris vorgestellt wurede.

Der Bericht geht zwar davon aus, dass die Rohstoffpreise nach einer erfolgreichen Ernte unter ihre extrem hohen Werte vom Anfang des Jahres fallen werden. Höhere Erzeugerkosten, schwächeres Wachstum und gestiegene Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln sowie Biokraftstoffen werden nach Einschätzung der Autoren aber im kommenden Jahrzehnt die Durchschnittspreise nach oben treiben. Getreide könnte im Vergleich zu den Jahren 2001 bis 2010 inflationsbereinigt um etwa 20 Prozent teurer werden, Fleisch sogar um 30 Prozent.

Die OECD hat gemeinsam mit der Ernährungs- und Landwirtschafts-Organisation der Vereinten Nationen (FAO) die Studie „Landwirtschaftsausblick 2011 – 2020“ erarbeitet. Gestiegene Rohstoffpreise, heißt es darin, führen in den meisten Ländern zu einer höheren Inflation bei Lebensmitteln. Das gibt Anlass zur Sorge: In einigen Entwicklungsländern sieht der Bericht Gefahren für die wirtschaftliche Stabilität und die Ernährungssicherheit, bis hin zur Unterernährung bei den ärmsten Mitgliedern der Gesellschaft. Vor allem die Länder der Sub-Sahara werden Probleme haben, die Nachfrage zu befriedigen, da hier die Bevölkerung schneller wächst als die heimische Produktion.

„Höhere Preise sind zwar gut für Landwirte, für jene Menschen aber, die ohnehin schon einen großen Teil ihres Einkommens für Essen aufwenden müssen, sind sie eine Katastrophe“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. „Deshalb fordern wir die Regierungen dazu auf, die Information und Tranzparenz nicht nur der Finanz-, sondern auch der Rohstoffmärkte zu stärken; Investitionen zu fördern, die zu höherer Produktivität in Entwicklungsländern führen können; handelsverzerrenden Maßnahmen abzuschwören und den schwächsten Ländern dabei zu helfen, besser mit der Unsicherheit der Märkte umzugehen.“

Auch der Generaldirektor der FAO, Jacques Diouf, betonte, den Preisschwankungen und ihren negativen Folgen müsse mit koordinierten politischen Maßnahmen entgegen gearbeitet werden: „Investitionen in die Landwirtschaft und ländliche Entwicklung von Entwicklungsländern sind der Schlüssel“, sagte Diouf. „Dort leben 98 Prozent der Menschen, die heute noch Hunger leiden.“

Dem Ausblick zufolge wird die weltweite landwirtschaftliche Produktion im kommenden Jahrzehnt langsamer wachsen als in den vergangenen zehn Jahren: Die Schätzungen liegen bei 1,7 Prozent jährlich, im Vergleich zu 2,6 Prozent von 2001 bis 2010. Das größte Potenzial für Zuwachs sieht der Bericht in den Schwellenländern.

Eine Verlangsamung prognostiziert der Report auch für das Wachstum des Fischereisektors, der erstmalig in den OECD/FAO-Landwirtschaftsausblick Eingang findet. Die Prognosen gehen davon aus, dass die Produktion bis 2020 um 1,3 Prozent jährlich zunehmen wird – um einiges weniger als im Vorjahrzehnt. Waren die Erträge aus Aquakulturen bis 2010 noch um 5,6 Prozent jährlich gestiegen, so wird der Ausbau bis 2020 nur noch bei etwa 2,8 Prozent liegen. Der Fischfang auf hoher See hingegen stagniert oder sinkt sogar. Bereits in vier Jahren, so die Experten, werden Zuchtbetriebe die Hauptquelle für Speisefisch bilden. Im Jahr 2020 wird knapp die Hälfte der gesamten Fischereiproduktion, also auch Fische für Futter und industrielle Nutzung, aus Aquakulturen stammen.

Insgesamt sieht der Bericht den stärksten Pro-Kopf-Anstieg bei der Lebensmittelnachfrage in Osteuropa, Asien und Lateinamerika. Fleisch, Milchprodukte, pflanzliche Öle und Zucker stehen auf der Nachfrageliste ganz oben. Auch Biokraftstoffe werden den Bedarf an bestimmten Agrarprodukten weiter steigern: Die Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2020 etwa 13 Prozent des Getreides, 15 Prozent der pflanzlichen Öle und 30 Prozent der gesamten Zuckerrohrproduktion für die Herstellung von Kraftstoffen verwendet werden wird.



G20-Bericht internationaler Organisationen: Price Volatility in Food and Agriculture Markets: Policy Responses (pdf, 905kB, engl.)

Zur Hauptseite "OECD-FAO Agricultural Outlook 2011-2020"

Quelle/Statistik: OECD/FAO
Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 17. Juni 2011 um 18:57 Uhr
 

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