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SFIV - Nachwuchskräftegewinnung und Fachkräftesicherung PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Helmer Pardun   
Dienstag, den 22. November 2011 um 06:47 Uhr

SFIV Inititiative Nachwuchskräftegewinnung und Fachkräftesicherung - Übersichtsartikel zur Situation am Ausbildungs- und Fachkräftemarkt - Schwerpunkt Fleischerhandwerk - Kurzbericht

Dresden (Helmer Pardun/22.11.2011) - Weil der Fachkräftemangel und der Mangel an geeigneten Lehrstellenbewerbern bei allen Kollegen im Fleischerhandwerk, wenn auch noch unterschiedlich stark, seit geraumer Zeit bereits erhebliche Aufmerksamkeit finden, hat der SFIV eine Initiative für mehr Lehrlinge und Fachkräfte in Sachsen in die Wege geleitet.

Dazu fand nach Vorgesprächen mit Ministerien, Ämtern, Agenturen und Behörden als einer der weiteren Arbeitsschritte Anfang November 2011 eine Fragebogen- und Telefonaktion unter Kollegenbetrieben statt als „Erhebung zum Nachwuchskräftemangel und Mangel an Fachpersonal im Fleischerhandwerk in Sachsen“.

Mit Stand vom 21.11.2011 sind bisher insgesamt 34 Rückmeldungen eingegangen, die eindeutig ein Bild zeigen, dass diese Initiative von den Mitgliedsbetrieben angenommen und der Bedarf an Nachwuchskräften und Fachpersonal in Zukunft groß sein wird.

„Übersichtsartikel zur Situation am Ausbildungs- und Fachkräftemarkt - Schwerpunkt Fleischerhandwerk“ - Allgemeine Berichte zu Trends und Entwicklungen haben wir beim Verband in dem Maße bereits zur Verfügung, um jetzt einen allgemeinen Situationsbericht veröffentlichen zu können. Diesen möchten wir hiermit auf Basis der uns vorliegenden Unterlagen als „Übersichtsartikel zur Situation am Ausbildungs- und Fachkräftemarkt - Schwerpunkt Fleischerhandwerk“ vorlegen.

Dies ist der Kurzbericht zum Stand der Dinge derzeit. Unser Gesamtbericht einschließlich aller verwendeten Themenquellen steht in unserem Journal Das Sächsische FleischerHandwerk => hier.

Grundlage des gesamten Berichtes sind – neben den SFIV Unterlagen (Punkt 6) – folgende Berichte (alle Quellen und Links am Schluss des Berichtes)

  

A. Aus Sicht der Jugendlichen und Berufsanwärter
1) 16. Shell Jugendstudie 2010
2) Berufsbildungsbericht 2011 des Bundesbildungsministeriums

 

B. aus Sicht der Unternehmen und des Fachkräftemarktes
3) Fachkräftesicherung im Handwerk - Ergebnisse einer Umfrage bei Handwerksunternehmen im 1. Quartal 2011 - ZDH Berlin, Mai 2011 Abteilung Wirtschafts- und Umweltpolitik
4) Fleischerhandwerk - Auszüge aus dem Geschäftsbericht des Deutschen Fleischer-Verbandes 2010/2011

  

C. aus Sicht des Sächsischen Fleischerhandwerks und der Fleischverarbeitung
5) Branchenbericht 2010 SMUL Sachsen
6) Initiative SFIV: „Mehr Lehrlinge und Fachkräfte in Sachsen“ - SFIV - Initiative Lehrstellenbesetzung und Fachkräftesicherung im Sächsischen Fleischerhandwerk

Für die unterschiedlichen Argumentationen in Zusammenarbeit mit oder auch gegenüber interessierten Gesprächs- und Kooperationspartnern ist eine fundierte Informationsgestaltung immer von Vorteil, die zeigt, dass es sich hier um ein langfristiges Problem mit beträchtlichen Konsequenzen handelt, dem schon jetzt auch kurzfristig, mit aktuellen Maßnahmen zu begegnen ist.

SFIV Initiative - „Mehr Lehrlinge und Fachkräfte in Sachsen“ - Genereller Hintergrund der Rahmenbedingungen der Ernährungswirtschaft – Handlungsempfehlungen um neue Wege zu gehen – Auszüge aus eigenen Berichten und dem SMUL Abschlussbericht Branchenstudie Ernährungswirtschaft

Die Ernährungswirtschaft in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Die weltweit gestiegene Nachfrage nach Nahrungsmitteln und Veredelungsprodukten, wie Milch und Fleisch, eingeleitet durch das starke Bevölkerungswachstum und höhere Einkommen in den sog. Schwellenländern, führen zu erhöhten Rohstoffkosten. Ein weiterer Preistreiber auf den Rohstoffmärkten sind Kapitalanlagen von Finanzinvestoren sowie die zunehmende Produktion von Bio-Energieträgern, die in direkter Konkurrenz zu Nahrungsmitteln stehen. Aber auch generell höhere Kosten für Energie, Transport und Verpackung schlugen bei den weiterverarbeitenden Betrieben der Ernährungsindustrie durch und konnten nur teilweise an den Handel und die Verbraucher weitergegeben werden.

Die anhaltenden Konzentrationsprozesse entlang der Wertschöpfungskette sowie die weiterhin starke Konzentration des Einzelhandels bzw. Marktmacht der Discounter stellt die Ernährungswirtschaft ebenfalls vor große Herausforderungen. Im Jahr 2009 vereinten die fünf größten Lebensmitteleinzelhändler rund 75% der Umsätze auf sich und rund 40% des Marktes werden durch Discounter bestimmt. Diese Entwicklung wird durch die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise und die damit verbundene Preissensibilität der Verbraucher noch beschleunigt. Zwar ist die Ernährungswirtschaft insgesamt weniger starken Konjunkturschwankungen unterworfen als andere Branchen, muss sich aber dennoch den veränderten Rahmenbedingungen anpassen.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Ernährungswirtschaft in Sachsen hat seit der deutschen Wiedervereinigung eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. So konnte der erwirtschaftete Umsatz seit 1992 mehr als verdoppelt werden. Mit einem Anteil von 13% am Gesamtumsatz des verarbeitenden Gewerbes, zählt die sächsische Ernährungswirtschaft zu den stärksten Wirtschaftszweigen im Freistaat. Neben großen Erfolgen weist die sächsische Ernährungswirtschaft aber auch Defizite auf. Beispielsweise erreicht ihre Exportquote derzeit lediglich 7,6% (Deutschland ca. 17%). Sächsische Betriebe haben zudem im Durchschnitt weniger Mitarbeiter und erwirtschaften geringere Umsätze.

In jüngerer Zeit kommt ein zunehmend merkbarer Mangel an Fachkräften und Berufsanfängern hinzu.

Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (http://www.kompetenzzentrum-fachkraeftesicherung.de/) ist eine Einrichtung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zur gezielten Information und Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen. Es wurde im Frühsommer 2011 als zentrale Anlaufstelle für Unternehmen eingerichtet, um diese im Wettbewerb um begehrte Fachkräfte zu unterstützen. Seine Empfehlungen für eine frühe Positionierung des Mittelstands bei der Suche nach Fachkräftenachwuchs sind eindeutig.

Nach diesen Empfhelungen sollte man ganz allgemein (a) im Unternehmen bereits vorhandenen Mitarbeiterpotenziale weiterentwickeln und besser nutzbar machen, (b) das eigene Geschäft als attraktive Marke und sich als erstrebenswerten Arbeitgeber aufbauen, (c) sich strategisch und nich nur zufällig auf das Thema Fachkräftesicherung einstellen und mit seinen Rekrutierungsstrategien auch solche Personengruppen in den Fokus nehmen, deren Potenziale oft noch nicht ausreichend genutzt oder als dem Fleischerhandwerk fernstehend angesehen werden (wie beispielsweise Ältere, Aus-, Um- oder Quereinsteiger oder auch Jugendliche als "Spätzünder").

Diese Hinweisen versucht der SFIV in seiner Strategie für unsere Branchen mit zu berücksichtigen. Der SFIV, der Vorsitzende des Berufsbildungsausschusses, die Geschäfts- und Pressestelle uner Einbeziehung des Präsidums haben eine eigene, mittlerweile durch breite kollegiale Zustimmung akzeptierte Strategie entwickelt: zum einen die Profilierung des Fleischfachgeschäfts als Service-Zentrum, zum zwieten die Profilierung von "Fleischer als Marke" entlang der Verbindung Fleischer, Fachgeschäft und Verbraucher, und zum Dritten die Profilierung entlang der Linie von Kooperation und Ko-Kreation als Netzwerkbildung mit den verschiedensten Kreisen von Kunden (Verbraucher, Gastronomie, Großhandel).

Dass uns aus den einen oder anderen Gründen im sächsischen Fleischerhandwerk bereits jetzt der Fachkräftemangel und der Mangel an geeigneten Lehrstellenbewerbern Sorgen macht, dürfte auch unter den Kollegen im sächsischen Ernährungshandwerk mittlerweile unbestritten sein.

„Mit der zunehmenden Konkurrenz um die Jugendlichen wird es für die Lebensmittelhandwerke immer schwerer, die verfügbaren Ausbildungsplätze besetzen zu können“ heißt es im Frühjahrsbericht des ZDH zur "Fachkräftesicherung im Handwerk". Auf dem Arbeitsmarkt zur Besetzung offener Arbeitsplatzangebote sieht es für das Fleischerhandwerk nicht besser aus.

Wir müssen von Seiten des SFIV davon ausgehen, das genau diese Problematik von Bewerbermangel für Ausbildungs- und Facharbeitsplätze im Laufe der kommenden Zeit fast alle Kollegenbetriebe verstärkt treffen wird, ausgenommen vielleicht diejenigen Betriebe, die in den nächsten zwei bis drei Jahre schließen wollen.

Wie stark diese Betroffenheit schon ist oder sein wird, das wurde in einem ersten Schritt Anfang November per Fragebogen und Telefonaktion erhoben, deren Antworten schon jetzt erkennen lassen, dass diese Initiative von den Mitgliedsbetrieben angenommen und der Bedarf an Nachwuchskräften und Fachpersonal in Zukunft groß sein wird.

Die bisher 45 Rückantworten kommen aus Betrieben aller Größenordnungen. Wir geben die einzelnen Nennungen hier ohne Kommentar oder Anmerkungen zur Kenntnis, um zunächst einen allgemeinen Überblick zu verschaffen.

Die Antworten auf die einzelnen Fragen (Stand 25.11.2011) verteilen sich wie folgt.

  • Frage 1: Haben Sie vor, im kommenden Jahr Ausbildungsplätze / einen Ausbildungsplatz anzubieten? Insgesamt wurde aus jetziger Sicht ein Angebot von 59 Ausbildungsplätzen genannt, davon 22 für Fleischer/Fleischerinnen und 37 für Fachverkäufer/Fachverkäuferinnen. 24 Nennungen gab es mit Nein.

  • Frage 2a: Haben Sie vor jetzt oder in der kommen Zeit offene Arbeitsplätze zu besetzen? Insgesamt wurde aus jetziger Sicht ein Personalbedarf für insgesamt 48 Arbeitsplätze genannt, davon 9 Fleischer/Fleischerinnen und 37 Fachverkäufer/Fachverkäuferinnen. Interessant ist hier auch die Angabe der Betriebe, die im kommenden Jahr keinen Arbeitskräftebedarf haben werden. Es sind bei 34 rückantwortenden Betrieben insgesamt 12, die keine offenen Arbeitsplätze haben werden.

  • Frage 2b: Sind Sie daran interessiert, dass diese Personen, gemäß unserer Initiative, zur besseren Einarbeitung und Arbeitsausübung eine allgemeine, überbetriebliche Vermittlung oder Aktualisierung von Grundqualifikationen und Fachwissen erhalten sollten? Für eine überbetriebliche Grundqualifikation kamen aus jetziger Sicht insgesamt 20 Nennungen, davon 8 für Fleischer/Fleischerinnen und 12 für Fachverkäufer/Fachverkäuferinnen. Gegen eine überbetriebliche Grundqualifikation sprachen sich 19 Nennungen aus.

  • Frage 3: Wären Sie bereit, Schülern in Ihrem Betrieb ein 4-wöchiges Schnupperpraktikum zu ermöglichen? Insgesamt ist man aus jetziger Sicht bereit 45 Praktikumsplätze anzubieten, davon 22 für Fleischer/Fleischerinnen und 23 für Verkäufer/Verkäuferinnen.

  • Frage 4: Wären Sie bereit, um Mitarbeitern von Arbeitsagenturen und Jobcentern an einem gemeinsamen Termin detailliert Auskunft über Ausbildungsprofil und Arbeitsplatzanforderungen zu geben? Dazu bereit erklärten sich aus jetziger Sicht 7 Nennungen. 35 Stimmen sprachen sich dagegen aus.

Ein geplantes Angebot von knapp 60 Ausbildungsplätzen und ein Fachkräftebedarf von fast 50 Personen in der kommenden Zeit allein im sächsischen Fleischerhandwerk lassen die SFIV Initiative auch aus den eigenen Reihen der Mitglieder in Sachsen mehr als gerechtfertigt erscheinen, lassen sie darüber hinaus sogar als ausgesprochen notwendig erkennen.

Das ermuntert auch zu den weiteren Schritten im Gesamtvorhaben. Der Berufsbildungsausschuss unseres Verbandes hat bereits noch vor der FleiFood 2011 und mit Zustimmung des Präsidiums ein Projekt begonnen, das sich auf drei Ebenen mit diesem Thema beschäftigt. Wir wollen, angefangen bei sächsischen Ministerien(Landwirtschaft, Wirtschaft, Arbeit und Soziales) , über den Europäischen Sozialfond bis hin zu Arbeitsagenturen und möglichen weiteren Kooperationspartnern in den Regionen durch deren Unterstützung und mit deren verschiedenen Fördermöglichkeiten folgende Ziele erreichen

  • 1. verstärkte Profilierung der Berufe im Fleischerhandwerk von den Schulen über die berufsvermittelnden Arbeitsagenturen bis hin zur allgemeinen Öffentlichkeit zur Imageanreicherung ebenso wie zur besseren Ausschöpfung von geeignetem Lehrlingspotenzial für die Besetzung angebotener Ausbildungsstellen in Sachsen;
  • 2. Arbeitsplatz vorbereitende Vermittlung oder Aktualisierung von Grundqualifikationen und Fachwissen vor der aufgenommenen Arbeitstätigkeit für Personen, die nach einer solchen allgemeinen, überbetrieblichen Grundeinführung, einen angebotenen Arbeitsplatz in einem Fleischerfachgeschäft annehmen wollen;
  • 3. Arbeitsplatz begleitende Fach- oder Weiterqualifizierung parallel zur aufgenommenen Arbeitstätigkeit zur überbetrieblichen Vermittlung oder Aktualisierung von Grundqualifikationen und Fachwissen für Personen, die zunächst ohne oder mit geringen Fachkenntnissen bereits ihre Arbeit in einem Fleischerfachgeschäft begonnen haben

Für alle unsere Vorhaben müssen wir dazu auch weiterhin wissen, welche Personalplanung unsere Betriebe in den kommenden Jahren vor sich haben, d. h. welche Ausbildungs- bzw. Arbeitsplätze zu besetzen sind. Sollten sich die Hinweise auf offene Stellen noch verdichten, stehen als Direktmaßnahmen u. a. der Einbau einer eigenen Jobbörse in die Homepage sfivsachsen.de und die gezielte Beanspruchung der Lehrstellenbörsen der einzelnen Kammern in den Kammerbezirken an

QUELLEN UND LINKS

1) Shell Jugendstudie
Bericht - http://www-static.shell.com/static/deu/downloads/aboutshell/our_commitment/shell_youth_study/2010/youth_study_2010_press_release_140910.pdf /
Flyer - http://www-static.shell.com/static/deu/downloads/aboutshell/our_commitment/shell_youth_study/2010/youth_study_2010_flyer.pdf

2) Berufsbildungsbericht
http://www.bmbf.de/de/berufsbildungsbericht.php

3) Fachkräftesicherung im Handwerk - Ergebnisse einer Umfrage bei Handwerksunternehmen im 1. Quartal 2011 - ZDH Berlin, Mai 2011 Abteilung Wirtschafts- und Umweltpolitik
Pressemeldung und Bericht
http://www.zdh.de/wirtschaft-und-umwelt/konjunktur-umfragen/sonderumfragen/fachkraeftesicherung-im-handwerk.html

http://www.zdh.de/fileadmin/user_upload/themen/wirtschaft/sonderumfragen/I-2011-Fachkraefte/5-2-0-Bericht-Sonderumfrage-Fachkr%C3%A4ftebedarf.pdf

4) Fleischerhandwerk - Auszüge aus dem Geschäftsbericht 2010/2011
http://www.fleischerhandwerk.de/medien--und-presseservice/daten-und-fakten/geschaeftsbericht/auszge-aus-dem-geschaeftsbericht.html

5) Branchenbericht 2010 SMUL Sachsen
http://www.landwirtschaft.sachsen.de/landwirtschaft/14470.htm

http://www.landwirtschaft.sachsen.de/landwirtschaft/download/Abschlussbericht_Branchenstudie_20100916_V01.pdf

6) Initiative SFIV: „Mehr Lehrlinge und Fachkräfte in Sachsen“ - SFIV - Initiative Lehrstellenbesetzung und Fachkräftesicherung im Sächsischen Fleischerhandwerk

Dies ist der Kurzbericht zum Stand der Dinge derzeit. Unser Gesamtbericht einschließlich aller verwendeten Themenquellen steht in unserem Journal Das Sächsische FleischerHandwerk => hier.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 03. Dezember 2011 um 16:49 Uhr
 

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